Drei Gründe, warum Sie Nachhaltigkeit bei Ihrer Altersvorsorge berücksichtigen sollen

Beim Thema Altersvorsorge geht es ja heute – anders als noch vor 10 bis 15 Jahren – nicht mehr darum zu verstehen, dass jeder halbwegs gut verdienende Österreicher privat vorsorgen muss, um seinen Lebensstandard im Alter annähernd halten zu können. Es geht heute vielmehr darum, wie er dies macht und ob Einkommen und Lebensstil es erlauben, den dafür nötigen Betrag auf die Seite legen zu können. Für junge Menschen gilt hier als Faustregel, wer ab dem 25. Geburtstag 10% des Nettoeinkommens für die Pensionsvorsorge aufbringt, sollte im Alter wenig finanziellen Stress haben. Je später man allerdings startet, desto schwieriger wird es.
Wir bewegen also für unseren Ruhestand – egal in welcher Sparform – eine beachtliche Menge Geld. Die Bausteine der Altersvorsorge können vielfältig sein, von der eigengenutzten Immobilie über Lebensversicherungen und Investmentfonds bis hin zu Anlegerwohnungen. Auf Grund der gegebenen Langfristigkeit der Investments bewirken hier kleine Veränderungen bei Ertrag und Risiko sehr viel – und somit kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel. Lesen Sie, welche drei Gründe es gibt, diese in Ihrer Altersvorsorge zu berücksichtigen.

  1. Immobilien – die Kosten unter Kontrolle haben

Immobilien sind derzeit gefragte Investments. Die niedrigen Zinsen und die gefühlte Unsicherheit unserer Zeit bringen viele Anleger dazu, ihr Geld in Wohnimmobilien zu stecken. Das Preisniveau ist dadurch allerdings gestiegen und wir sehen von Jahr zu Jahr neue Rekordstände bei den Immobilienpreisen. Wer heute kauft, kauft also eher teuer, was natürlich die Rendite drückt. Daher ist es hier essentiell wichtig, die Betriebskosten unter Kontrolle zu haben. Diese sind, über die Lebensdauer eines Objektes gerechnet, noch einmal gleich hoch wie die Baukosten.
Nachhaltige Immobilieninvestments berücksichtigen aus diesem Grund viele Kostentreiber schon in der Planung und im Bau. Ist das Haus altersgerecht bzw. barrierefrei gestaltet oder zumindest ohne viel Aufwand adaptierbar? Hat es eine gute Wärmedämmung und damit niedrige Heizkosten? Ist die Lage so, dass auch in einer Zukunft mit geänderten Mobilität hier Menschen leben wollen? Sind die Baumaterialen bei einem Abriss kostengünstig zu entsorgen oder entsteht teurer Sondermüll? Professionelle Immobilienanleger stellen bereits vermehrt diese Fragen , und Labels wie LEED (USA), BREEAM (UK) oder DGNB (D) werden immer bedeutender für die Vermietbarkeit von Immobilien.
Vergleiche zeigen – zuletzt in der Schweiz am Beispiel zweier auf Nachhaltigkeit setzender Immobilienfonds – dass eine solche Ausrichtung einen leichten Mehrertrag aus den betreffenden Investments bringt. Folglich sollten Sie – ganz egal ob als Anleger oder für die eigene Immobilie – Wert darauf legen, dass auch Ihr Investment diese Kriterien berücksichtigt. Ein weiterer Pluspunkt, den ich für dieses Segment erwarte, ist eine bessere Vermietbarkeit nachhaltiger Wohnungen, wenn der Wohnungsmarkt einmal – und auch das wird wieder einmal kommen, wir reden ja von echten Langfristinvestments – vom Vermieter- zum Mietermarkt kippt.

  1. Aktien – alternativlose Renditebringer

Sparbücher und ähnliche Produkte sind zur Altersvorsorge ungeeignet. Seit 2010 sind die Realerträge (Zinsen minus Inflation) auf österreichischen Sparbüchern sogar negativ, hier wird also Kaufkraft vernichtet anstatt vermehrt. Deshalb kommt man bei langfristigen Investments um Aktien nicht herum. Der Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick von der Universität Bonn hat die 16 wichtigsten Industrieländer seit 1870 untersucht und festgestellt, dass Aktien pro Jahr respektable 7,3% Rendite lieferten. Wohnimmobilien waren mit 8,7% p.a. zwar noch ertragreicher, sind aber als alleiniges Vorsorgeinstrument nicht ideal, da sie zu unflexibel und gerade in Österreich gesetzlich oft stark beschränkt sind. Außerdem kann diese Rendite in Österreich heute nicht einmal ansatzweise erreicht werden, denn die Kaufpreise liegen aktuell vergleichsweise hoch.
Das spricht also für eine Investition in Aktien. Aber in welche? Bei Aktien verdiene ich an den zukünftigen Gewinnen der Firmen, in die ich investiert habe. Ich mache also dann langfristig Gewinne, wenn die Firmen langfristig Gewinne machen. Um das zu erreichen müssen betreffende Unternehmen eine klare Geschäftsidee für die kommenden Jahre und Jahrzehnte aufweisen, mit einer guten Führung und einer starken Firmenkultur ausgestattet sein und geringe Risiken eingehen, die Gewinne oder gar die Firma vernichten können. Mittlerweile legt eine Vielzahl an Studien nahe (Mercer und UNEP 2007, darauf aufbauend Sjöström 2011), dass es eher mehr Ertrag als weniger Ertrag bringt, wenn man nachhaltig investiert.
Es existiert eine Fülle an Investmentfonds, die mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitssätzen und Investmentstilen agieren. Hier kann fast jeder Anleger das passende Produkt finden, je nach persönlichem Ertrags-Risiko-Profil und nach den individuellen Vorstellungen von ethischer Geldanlage. Sie erreichen damit mehrere Ziele auf einmal: Erstens bekommen Sie eine breite Risikostreuung im Vergleich zu Einzeltiteln, zweitens einen Investmentansatz, der zu Ihnen passt, und drittens kümmert sich jemand um die laufende Wartung der Anlageprodukte – wofür Ihnen wohl Zeit und/oder das Know-how fehlen.

  1. Lebensqualität – in welcher Welt möchte ich meinen Ruhestand verbringen

Wir leben in der wohlhabendsten Welt aller Zeiten. Hunger und Kindersterblichkeit sind weltweit niedrig wie selten zuvor, wir leben ohnehin mehr oder minder im Überfluss. Allerdings sehen wir auch konkrete Bedrohungen für unseren Wohlstand. Selbst wenn das 2-Grad-Klimaziel des Klimavertrages von Paris erreicht wird – wofür noch massive Anstrengungen nötig sind – bedeutet das, dass es weder Gletscher in unseren Alpen noch Korallen in den Weltmeeren geben wird. Und als weitaus dramatischere Auswirkung des Klimawandels werden 1,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten von Wasserknappheit bedroht sein. Kriege um Wasser und daraus resultierende Fluchtbewegungen sind somit vorgezeichnet.
Hand aufs Herz: Wie soll die Welt aussehen, in der Sie Ihren Ruhestand verbringen möchten? Ist es die Welt, in der Rüstungskonzerne viel Geld verdienen, weil es viele Kriege gibt. Eine Welt, in der der Klimawandel außer Kontrolle gerät, weil die Energielobby zu stark war? Eine Welt, in der nach Tschernobyl und Fukushima ein weiteres AKW „berühmt“ wird? Oder wäre Ihnen eine Welt mit dezentraler, erneuerbarer Energieversorgung lieber, eine Welt, die technologisch die Folgen des Klimawandels eindämmen und die den Kampf gegen die Armut in der Welt weiterführen kann?
Wenn Sie eine der zuletzt genannten Welten bevorzugen, seien Sie sicher, Sie sind damit nicht allein  – und entsprechend sollten Sie dann auch investieren. Alleine in Deutschland, der Schweiz und Österreich waren Ende 2015 über 255 Milliarden Euro nachhaltig veranlagt. Ein Zuwachs um 110% gegenüber 2014. Für 2016 liegen noch keine Zahlen vor, der Trend setzt sich aber weiter fort.

Mein Fazit:

  1. Nachhaltige Immobilien sind einfach durchdachter als Standardwohnungen, bringen leicht höhere Erträge und sind langfristig wahrscheinlich besser vermietbar.
  2. Ein moderater Nachhaltigkeitsansatz, zum Beispiel die Bevorzugung der jeweiligen „Klassenbesten“ in sozialer und ökologischer Hinsicht, scheint in positiver Korrelation zu den Erträgen zu stehen. Je länger das Investment dauert, desto deutlicher und stärker ist diese positive Korrelation.
  3. Sie sind nicht alleine – das Volumen nachhaltiger Geldanlagen steigt massiv und damit einhergehend auch Angebot und Qualität. Probieren Sie es doch einfach mal aus!